1979 – 1988

Die Jahre 1979 – 1988

1979

01.08.1979:

Die Gesamtschule An der Blutfinke, offiziell “Gesamtschule Wuppertal”, nimmt mit 256 SchülerInnen und 15 Lehrkräften den Schulbetrieb auf. Schulleiterin ist Frau Dr. Renate Gerling, stellvertretender Schulleiter ist Gerd Czok.
31.01.1979:

Der weiterhin tätige Didaktische Ausschuss der Schule bewirbt sich um Teilnahme am UNTIS-Versuchs-Programm zur computergesteuerten Erstellung von Stundenplänen. Klaus Göbel (s.o.): “Die nach Veröffentlichung der kritischen
Gesamtgutachten im Herbst entstandene Auseinandersetzung in Nordrhein-Westfalen ist in Ronsdorf mit Distanz und Abwarten aufgenommen worden.” Der Förderverein der Gesamtschule wird gegründet.

1980

24.01.1980:

Erster “Tag der offenen Tür” in der Schule.
06.03.1980:

Für das Schuljahr 1980/81 werden 465 SchülerInnen angemeldet. Es können aber nur 240 SchülerInnen aufgenommen werden.

02.05.1980:

Kultusminister Girgensohn besucht die Gesamtschule Ronsdorf. Elternpflegschaft und Schulverwaltungsrat tragen dem Minister
ihre Sorgen vor. So ist die geplante Mensa immer noch nicht in Funktion.

03.09.1980:

Die Aufträge für den zweiten Bauabschnitt der Schule sind erteilt. Auf Initiative von Volkmar Trensch gründet sich die Anfangsformation der Lehrerband mit Uli König und dem Referendar Thomas Wigman. Gespielt werden anfangs Jazzstücke. Erster Auftritt der Gruppe während der Krimi-Tage in Gladbeck. Später stoßen dazu: Detlev Vollmann, Bernd Heinemann, Jürgen Körner, Werner Stochay und Wolfgang Heyer. Die seit 24 Jahren bestehende Band, die seit 1977 den Namen “Joker” trägt und inzwischen stadtbekannt ist, spielt inzwischen Rockmusik.

02.11.1980:

Einweihung der fertiggestellten Aula mit einem Konzert des MGV Eintracht. Die Aula hat 600 Sitzplätze und ist damit für größere Veranstaltungen geeignet.
Im unteren Foyer der Gesamtschule wird ein Bandwebstuhl als Erinnerung an die einstige Bedeutung der Bandwirker für Ronsdorf aufgestellt. Auf Schulfesten wird der Webstuhl in Gang gesetzt.

1983

August 1983:

Dreister Diebstahl. Unbekannte stehlen wertvolle Bäume und Pflanzen aus dem Schulgarten der Gesamtschule. Sie gehen dabei fachmännisch vor, graben alle Bäume aus und verdecken die Löcher mit Erde und Rasen. Untersuchungen der Kriminalpolizei
führen zu keinem Erfolg.

Oktober 1983:

Erste Projektwoche an der Schule, bei der die Schülerinnen und Schüler nicht nach Klassen und Alter, sondern nach Interesse
an den Themen zusammen arbeiten.

21.11.1983:

Lehrer und Lehrerinnen treten in einen Streik angesichts der an diesem Tage stattfindenden Debatte im Bundestag über den
“Nato-Doppelbeschluss”, d.h. die Ausrüstung in Deutschland stationierter amerikanischen Raketen mit Atomsprengköpfen. Der
Streik führte zu heftigen Angriffe seitens der CDU und zu Vorermittlungen des Regierungspräsidenten gegen einen Lehrer der Schule wegen Verletzung der Dienstpflicht. Die Schulleitung nimmt in einer Stellungnahme diesen Kollegen ausdrücklich in Schutz.
80% der Schülerinnen und Schüler sprechen sich nach der Umfrage der SV symbolisch für eine atomwafffenfreie Schule aus. In einer Feierstunde zusammen mit Lehrer- und Elternvertretern wird dieser symbolische Akt begründet.

01.12.1983:

Premiere: In der Gesamtschule wird von Schülern unter Beteiligung mehrerer Lehrerinnen und Lehrer das Musical “Oliver” von
Lionel Bart mit großem Erfolg aufgeführt.

1984

01.02.1984:

Die Gesamtschule Ronsdorf erreicht unter den Wuppertaler Schulen den siebten Platz im Schulsport.

02.02.1984:

Das landesweite “Rockprojekt Nr.1″ wird unter der Leitung von Kalle Waldinger gestartet.

09.05.1984:

Der “Mensaverein Gesamtschule Ronsdorf e.V.” wird gegründet, er will die inzwischen fertiggestellte, aber noch nicht genutzte Küche der Schule bewirtschaften. Bisher wurde das Mittagessen von der Küche der Gesamthochschule angeliefert.
25.08.1984:

Feierliche Einweihung unter Anwesenheit von Kultusminister Schwiers nach Beendigung des zweiten Bauabschnittes und endgültiger Fertigstellung der Schule. Im Anschluss findet ein Schulfest statt.

1985

Einführung der differenzierten gymnasialen Oberstufe an der Gesamtschule. Damit wird das “Abitur in Ronsdorf” möglich.

07.11.1985:

Aufführung des Musicals “The Music Man” unter der Leitung von Gerd Czok und Hildburg Langen.

Lehrer Werner Stochay erinnert sich: “Passt der zu uns?” Ich werde diese Frage nie vergessen! Es war 1985, ich stellte mich auf
eine Ausschreibung der Gesamtschule Ronsdorf hin, die für einen Philosophielehrer galt, in der Schule vor. Kurz wurde ich von der Schulleiterin Gerling in Empfang genommen und dann an den Oberstufenleiter und einzigen Philosophielehrer Lothar Düver ver-
wiesen, und der wollte von mir wissen, was ich denn im Philosophieunterricht so mache. Also saß ich jetzt da in dem winzig kleinen Zimmerchen des Oberstufenleiters und wir redeten über Philosophie und Unterricht. Da klopfte es an der Tür, die Schulleiterin stand im Türrahmen und stellte diese Frage: “Passt der zu uns?” Ja, ich schien zu passen. Kein großes Aufsehen, ich wurde genommen – zuerst für ein paar Stunden für die neue 11, da ich an meiner alten Schule, dem (damals noch) Gymnasium an der Else-Lasker-Schüler-Straße, noch zwei Abiturkurse zu betreuen hatte. Also pendelte ich zwischen Gymnasium und Gesamtschule hin und her– und fand mich in einer anderen Welt wieder, in einem entspannten Arbeitsklima, in einer Schule mit anderen Schülern – nicht unbedingt einfacheren. Anfangs wusste ich bei der Größe – über 1000 Schüler, über 120 LehreInnen! – manchmal gar nicht,
was los ist, hatte ständig die Befürchtung, ich übersehe oder verpasse irgendetwas. Und tatsächlich entging mir die eine oder
andere Aufsicht, kannte ich den Schlüssel für den Spielecontainer nicht…”Du musst die Gesamtschule von der Pike auf kennen
lernen!”, meinte die Schulleiterin und steckte mich als neuen Klassenlehrer in die 5. Nach einem halben Jahr dachte ich, ich hätte den Beruf verfehlt, nach einem Jahr hatte ich neue Methoden gelernt und erfahren, dass man sich mit anderen Lehrern absprechen, dass man sich helfen, sich sogar im Unterricht besuchen kann (vielen Dank an die “alten Hasen” Gerd Czok und Norbert Rauch, die mich unter ihre Fittiche nahmen!). Nach zwei Jahren hatte ich es geschafft: Obwohl ich überwiegend in der Oberstufe unterrichtete, war ich tatsächlich zum Gesamtschullehrer geworden, der ich bis heute bin, obwohl ich zornig bin wegen der üblen Verschlechterungen, die man den Gesamtschulen angetan hat.

1986

24.01.1986:

Beim Wuppertaler Schulsport-Festival erreicht die Gesamtschule in Tischtennis und Volleyball Spitzenleistungen. Erfolgreiche Auftritte und erste Schallplattenproduktionen von Schülerbands des Ronsdorfer Rock-Projekts.

1987

05.03.1987:

Im Schulsport kann die Gesamtschule im Tischtennis beachtliche Erfolge erzielen.

23.03.1987:

Einrichtung einer Schulpartnerschaft zwischen der Gesamtschule und der Schule “El Progreso” in der Region Matagalpa in Nicaragua. Es kommt im weiteren zu Briefwechseln zwischen den SchülerInnen der Schulen und zu Sammlungen von Lehr- und Lernmaterial in Wuppertal, das kistenweise nach Nicaragua geschickt wird.

13.05.1987:

Als neueste Einstudierung kommt das Musical “Smike” zur Aufführung.

30.07.1987:

Die Kinder-Rockband “Pünktchen, Pünktchen” bringt ihre erste Schallplatte heraus und wird im September ins Bundeskanzleramt eingeladen, wo sie vor 1500 Kindern auftritt.

1988

02.03.1988:

Schüler der Gesamtschule zeigen im Schulsport beachtliche Leistungen. Besondere Stärke ist Tischtennis; hier können sechs Siege errungen werden.

05.05.1988:

Der erste Jahrgang der Gesamtschule erreicht nach Abschluss der Klasse 13 das Abitur. Ministerpräsident Johannes Rau nimmt an der ersten Abiturfeier der Schule teil.

Am Mittagstisch des Mensavereins nehmen inzwischen 850 SchülerInnen und LehrerInnen teil.

Juni 1988:

Der bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnete Erich Fried besucht auf Einladung von Schülerinnen und Schülern die
Schule, liest und diskutiert im Lehrerzimmer und überreicht der Schule als Geschenk sein Gedicht “Wo liegt Nicaragua” mit einer
Widmung. Das Gedicht-Geschenk löst in den folgenden Monaten heftige politische Diskussionen aus, die bis in den Düsseldorfer Landtag reichen, wo der Kultusminister die Entscheidung der Schulleitung, das Gedicht auszustellen, in Schutz nimmt.

Juni/Juli 1988:

Aufführung des Stückes mit Musik “Der Agent und die Elfe” frei nach Peter Rühmkorf, entwickelt von einer Projektgruppe in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Wuppertal.

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