Vorgeschichte

Vorgeschichte und Planungsphase

1974

22.01.1974:

Die Bezirksvertretung dringt in ihrer Sitzung auf den Bau einer Gesamtschule, der von Politikern und der Bevölkerung massiv eingefordert wird. Schon in den Haushaltsberatungen für das Jahr 1974 folgt der Schulausschuss einem Antrag der CDU, im Investitionshaushalt für die Jahre 1975 und 1976 jeweils 2 Millionen DM für eine Gesamtschule in Rondorf aufzunehmen. Der Schuldezernent Prof. Spohn stellt ausdrücklich fest: “Der Beschluss des Schulausschusses, 1975 die Schulversorgung in Ronsdorf mit dem Angebot eines Schulmodells Gesamtschule zu autonomisieren, ist vom Zeitablauf her ausgesprochen richtig und dringlich.”

1975

14.10.1975:

Im Anschluss an einen VHS-Abend des “Politischen Clubs” gründet sich die “Initiative weiterführende Schule Ronsdorf”.
24.11.1975:

Die “Initiative” übergibt dem Vorsitzenden des Schulausschusses, Herrn Robke, sowie Oberbürgermeister Gurland eine Unterschriftensammlung: 3638 Ronsdorfer Bürgerinnen und Bürger unterzeichneten für eine Gesamtschule. Dazu in einer Presseerklärung der Initiative vom 17.12.75: “Die Initiative Gesamtschule Ronsdorf unterstützt (…) Die Initiative (…) sieht damit
ihre Aufgabe noch nicht als beendet an (…), d.h. sie wird nicht eher ruhen, bis die Schule steht!”
25.11.1975:

Der Schulausschuss fasst einen Beschluss zur Errichtung der Gesamtschule Ronsdorf. Der Rat der Stadt Wuppertal bestätigt am 15.12. gegen Mitternacht diesen Beschluss mit 64 Stimmen gegen 4 Stimmen und bei 6 Enthaltungen der CDU, wobei der Stadtverordnete Heinz Kissler, Architekt der zukünftigen Schule, an der Abstimmung nicht teilnimmt.

1976

31.03.1976:

Der Kultusminister NRW genehmigt den Beschluss des Rates der Stadt Wuppertal zur Errichtung der Gesamtschule.

1977

06.04.1977:

Die Landesregierung gibt grünes Licht zum Bau der Gesamtschule.
04.07.1977:

Der Rat der Stadt fasst den Durchführungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der Schule; die Kosten betragen 24,8 Millionen DM zuzüglich 2,7 Millionen DM für die Inneneinrichtung.
20.09.1977:

Baubeginn der Gesamtschule An der Blutfinke, der ersten Gesamtschule in Wuppertal. Anlässlich der Eröffnung der Ronsdorfer
Woche am 01.10. erfolgt der erste Spatenstich durch Oberbürgermeister Gurland. Noch während der Bauzeit wird das Für und Wider dieser Schulform heftig und kontrovers diskutiert. Prof. Klaus Göbel: Vorgeschichte und Gründung der Gesamtschule Wuppertal-Ronsdorf: “Friedrich Wilhelm Dörpfeld (1824 – 1893) schreibt in einem Buch “Das Fundamentstück einer gerechten, gesunden,
freien und friedlichen Schulverfassung”, das in seinen letzten Jahren in Ronsdorf entstand, das Schulwesen sei “so zu ordnen,
dass es in allen Volkskreisen das Erziehungsinteresse weckt und pflegt”. (…) Der Schule ist zu wünschen, dass sich pädagogische Verantwortung frei entfalten kann, Parteiauseinandersetzungen vor ihren Mauern haltmachen und alle an ihrem Leben
Beteiligten den von ihnen vertretenen Unterrichts- und Erziehungsauftrag jederzeit öffentlich darzulegen vermögen.”

1978

Während der Bauarbeiten tagt der “Didaktische Ausschuss” unter Leitung der zukünftigen Schulleiterin Frau Dr. Renate Gerling
und unter Mitwirkung der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer der ersten Generation. Der Ausschuss beschäftigt sich mit grund-
legenden Fragen der Gesamtschulpädagogik, entwickelt aber auch ganz konkrete Vorstellungen der Praxis in der neuen Schule;
so werden Verhaltensregeln im gemeinsamen Umgang miteinander formuliert, werden durch mehrere Schulbegehungen mit dem Architekten bauliche Veränderungen erreicht, wird sogar die Farbe der Ordner für die einzelnen Schulfächer festgelegt. Zum Schluss
legt der Ausschuss die Stundenverteilung und den Stundenplan fest. Auszug aus dem Protokoll der ersten Sitzung des Didaktischen Ausschusses vom 08.12.: “Beigeordneter Prof. Spohn gab (…) seiner Hoffnung Ausdruck, dass es der Gesamtschule gelingen werde, die Elternschaft von dieser Schule zu überzeugen, wenn die bergische Mentalität der Ronsdorfer Bürger ausreichend berücksichtigt werde und eine klare, verständliche Sachorientierung den Dialog der Lehrer und Eltern bestimme.” Typische Wuppertaler Probleme
hält das Protokoll vom 12.02.79 fest: “Vor Eintritt in die Tagesordnung berichtet Frau Dr. Gerling, dass die Baubegehung nun endgültig auf besseres Wetter verschoben ist.” Schulpsychologe Ulrich König erinnert sich: “Ich habe mir das Vergnügen gegönnt, einmal durch die Protokolle des Didaktischen Ausschusses zu blättern (…) Was ich… nicht mehr wusste, dass das Konzept für eine Humane Schule von Hartmuth von Hentig mit zentralen Begriffen “Regeln, Rituale und Reviere” bei der Erich-Fried-Gesamtschule Pate gestanden hat… Kleine Highlights aus den Protokollen: Von Renate Gerling die Literaturempfehlung aus dem Goldmann Verlag: “Wie gründe ich einen Verein”, Anlage zum Thema Schulverein Gesamtschule Ronsdorf (…) Teilweise blitzt die moderne Medienwelt bereits auf: So ein wichtiger Posten des Etats “Software”— für damalige Verhältnisse revolutionär, allerdings war die Software zu der Zeit Video- und Toncassetten, Filme und Overheadfolien (…) Dieses Thema bringt uns zu zwei verstorbenen Mitgliedern des Didaktischen Ausschusses. Gerold Wilhelm, der sicherlich an der Gesamtschule viele Spuren hinterlassen hat (…) Einiges aus seiner Planung hat sich leider nicht realisieren lassen: Überlegungen zur Kunst am Bau; Aquamobil mit Windflügeln zur eigenen Energieversorgung. Sonnenkollektoren, die im Winter die Sitzbänke aufheizen können. Da ist auch Christina Schneider zu nennen, von ihr findet man eine tolle Tischvorlage zu Kleingruppenarbeit im Unterricht (…), die auch heute noch nichts von ihrer Aktualität hat.”

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